Befreiung

Der Tag erscheint mir vorbestimmt,
ein Fremder sagt, was er gern wollte,
ein Wille, der in mir erklimmt,
rät, daß ich anders handeln sollte.  

Doch beug ich mich dem äußern Zwang,
laß still es bei Kritik bewenden
und unterdrücke inner'n Drang,
mein Schicksal liegt in fremden Händen.  

Find ich dann mal ein kleines Glück,
ich wollt verweil'n im Augenblick,
bleibt Zeit hierzu denn niemals steh'n ?
Welt tut erbarmungslos sich dreh'n,
und so wie sie sich stets erneuert
fühl ich mich nur noch fremdgesteuert
und mir bereitet 's Unbehagen,
sie dreht sich ohne mich zu fragen.  

Ich Mensch, ertrink in Illusion
zu bessern diesen Erdenlauf,
muß meine Ohnmacht eingesteh'n
und geb zuletzt entgeistert auf.
Ich füg mich widerwillig drein,
dem Oben, Unten um mich her,
ich kann nicht sein, wie ich will sein,
wie ungerecht, wie sehr, wie sehr.  

Es ist und war ein Menschenübel,
freien Willen zu beschränken,
regieren wollen derer viele,
aber Einer nur kann lenken.  

Will ich im Leben nicht mehr hasten,
suche, wo der Freiheit Ort,
und es fallen alle Lasten
fremdbestimmter Art hinfort.

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