Das Jahr

Herbst

Bergkuppeln sanft die Sonne streichelt,
im Tal noch zarte Nebel zieh'n,
ein Herbsttag sich ins Leben schmeichelt,
mein Blick kann tausendfach entflieh'n.

Der Herbst mit dickem Pinselstrich
die Blätter färbt in gelb, rot, braun,
hier bin ich endlich wieder ich
und kann mir dieses Wunder schaun.

Aus Wiesen steigen lust'ge Drachen,
der Herbstwind bläst aus vollem Munde,
ich höre helles Kinderlachen,
Zugvögel ziehen eine Runde.

Doch schon ein Sturm treibt dicke Wolken,
in Ulmen, Eichen und den Pappeln -
die Blätter zippeln und auch zappeln,
und müssen doch dem Nordwind folgen.

So kehre ich - bei Blitz und Donner
in eine gemütliche Schenke ein,
im Weinglas spiegelt sich ganz gülden
ein Stück vom Morgensonnenschein.

Ich bin sie los jetzt meine Sorgen,
fall in einen Trinkspruch ein.
Was wird er bringen der neue Morgen,
es könnte schon der Winter sein.

Winter

Dicke Wolken husten Flocken,
denn der Winter kehrt jetzt wieder,
Sträucher, Bäume weiß gepudert
und der Eiszapf sticht hernieder.

Auf dem Brück Erwachsene, Kinder
unter Mützen und aus Schalen,
schauen Köpf' mit roten Nasen,
wie Frost Eisschollen tut malen.

Nur die Amsel tapfer watet
in des Baches eis'gen Lauf,
und wenn sie dann auch noch badet
schnappt sie manches Schnäppchen auf.

Eilig nun die Mädchen, Buben
stipfen, stapfen gut durchnäßt,
schnell nach Hause in die Stuben,
bald ist es, das Heilige Fest.

Und bei warmen Kerzenschimmer
Freud' am Leben alle erfüllt,
denn auch nach dem härt'sten Winter
Frühling neue Lieb' enthüllt.

Frühling

Frische Liebeslust bezartet Wiesen,
Feld und Wald noch keusch und unberührt
bis Helios wie einst Zeus Danae,
Gäa mit seinem Goldregen verführt.

Das Korn im Speicher zur Entfaltung drängt
in beglückender Mutter Erde Schoß;
Jungfräuliches knospet begattungsreif,
der Hunger auf neues Leben ist groß.

Deshalb schwärmt Jugend jetzt in eins
bei Mensch, Tier und Pflanzen-Natur,
zu vollzieh'n die Metamorphose des Seins,
zur Arterhaltung nur.

Sommer

Knackend heiße Wüstenwinde
drängen von dem Süd nach Norden,
kaum noch Kühlung an dem Abend,
eigen ist die Welt geworden.

Pflanzen, Tiere, Menschen darben,
Bäume fallen massiv - täglich,
einige für immer starben,
das Leben wird jetzt unerträglich.

Zum Orkane schwellen Wasser,
zeigen 's Dir, o Mensch, Du Kleiner !
Und es wird Dir immer nasser
ausgenommen bleibt da keiner !

Ja die Erde wird gemartert
wie 'ne alte Edelhure,
daß das Geld ins Kästchen flattert,
wen kümmert heut noch die Future ?

Habt 's gelesen, nie verstanden
was Euch Jemand wollte sagen,
deshalb auf dem Erd-Trabanten
braucht sich niemand zu beklagen !

Mensch - beschränke Trieb und Zweck !
Besinne Dich der Schöpfung nur !
Leb endlich eins mit der Natur,
sonst bist Du von der Erde weg !

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